Hochqualitative Online- und Videokonferenzen aus dem Homeoffice erfordern eine Optimierung des Heimnetzwerks. Mit diesem und weiteren Artikeln gehen wir auf die wichtigsten Punkte ein.

Online- und Videokonferenzen gewinnen immer mehr an Bedeutung. Dabei werden diese nicht nur in Firmennetzwerkgen genutzt, sondern zunehmend aus Heimnetzwerken heraus oder unterwegs über das Mobilfunknetz.

In diesem Artikel gehen wir auf die technischen Grundlagen von Online- und Videokonferenzen ein. In den nächsten Monaten folgenden weitere Artikel, welche aus Sicht des Heimnetzwerks auf folgenden Punkten eingehen:

  • Optimierung der drahtloser Netzwerkverbindung (WLAN)
  • Optimierung des Datenverkehrs durch Priorisierung
  • Optimierung der VPN-Verbindungen

Online- und Videokonferenzen

Unter Online- und Videokonferenzen (oder Web-Konferenzen bzw. Online Meetings) versteht man über das Internet organisierte und durchgeführte „virtuelle“ Treffen zwischen Teilnehmern, die sich an unterschiedlichen Orten befinden können. An Stelle des realen Konferenztisches wird der eigene Computer oder das Smartphone genutzt. Typischerweise wird hierbei die Sprache übermittelt und es kann der Bildschirm geteilt werden. Bei Video-Konferenzen wird zusätzlich noch ein Live-Video-Stream eines Teilnehmers zu den jeweiligen anderen Teilnehmern übertragen.

Laut dem Magic Quadrant für Meeting Lösungen von Gartner wird der Markt von 3 Marktführern dominiert: Cisco, Microsoft und Zoom. Erst mit Abstand folgenden weitere Anbieter.

In dem folgenden Vergleich haben wir uns neben den Markführern auch die Lösungen von 3CX, Google und GoToMeeting näher angeschaut:

  • 3CX als Cloud-fähige Telefonanlage bietet Online- und Videokonferenzen als Zusatzfunktion an.
  • Google Meet als Bestandteil der Google-Suite, da die Google-Dienste durch den hohen Anteil von mobilen Geräten mit Android-Betriebssystem sehr stark verbreitet ist.
  • GoToMeeting bietet neben Online- und Videokonferenzen auch Lösungen um Webinare oder virtuelle Events abzuhalten.

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht. Weitere Details können auf den angegeben Produktwebseiten der jeweiligen Anbieter gefunden werden:

3CX Die Lösung ist als Telefonanlage konzipiert und bietet auch die Möglichkeit Online- und Videokonferenzen durchzuführen. Die Nutzung erfolgt über einen Browser (ohne die Installation von Plug-ins), über eine Smartphone-App oder per Telefon. Die Einwahl erfolgt hierbei mit einer Durchwahl aus dem eigenen Rufnummernblock. Der Dienst kann aus der Cloud bereitgestellt werden oder in eigener Verantwortung betrieben werden: Im einfachsten Fall genügt in Raspberry PI.
Da als Telefonanlage konzipiert wurde diese Lösung nicht in den Vergleich der Meeting Lösungen von Gartner einbezogen.
Kosten:
Kostenlose Version verfügbar (bis zu 25 Teilnehmer, davon max. 3 via Telefon)
Verschiedene kostenpflichtige Abos in Verbindung mit einer Telefonanlage (PBX)
Cisco Webex Meetings Die Lösung ist für Online- und Videokonferenzen konzipiert und kann auch als Telefonlösung genutzt werden. Die Nutzung erfolgt über eine Desktop- oder Smartphone-App, über eine Weboberfläche, per Telefon oder ein Konferenzraum-System. Der Dienst wird von Cisco aus der Cloud angeboten.
Laut Gartner gehört Google zu den Herausforderer.

Analyse laut Gartner:
Stärken: Produktpalette und Integration, Geografische Präsenz, Innovation und Sicherheit
Schwächen: Reaktion des Marktes ist wenig enthusiastisch, Angebotsprozess und Lizensierung komplex, Veränderungen in der Unternehmensführung
Kosten:
Kostenloser Version verfügbar (auf 50 Minuten pro Konferenz mit bis zu 100 Online-Teilnehmern begrenzt)
Verschiede kostenpflichte Abos ab ca. 13 EUR/Monat, bei welchen auch eine telefonische Einwahl möglich ist
Produktwebseite:
webex.com/de/all-new-webex.html
Google Meet Die Lösung ist für Online- und Videokonferenzen konzipiert. Die Nutzung kann über eine Desktop- oder Smartphone-App oder eine Weboberfläche genutzt werden. Der Dienst wird von Google aus der Cloud angeboten.

Analyse laut Gartner:
Stärken: Kosteneffektivität, Instrumentierung, Gmail-Benutzeroberfläche integriert
Schwächen: Große externe Webcasts, Breakouts, visuelle Zusammenarbeit
Kosten:
Kostenloser Version verfügbar (auf 60 Minuten pro Konferenz mit bis zu 100 Online-Teilnehmern begrenzt)
Verschiede kostenpflichte Abos ab ca. 10 EUR/Monat, bei welchen auch eine telefonische Einwahl möglich ist
Produktwebseite:
https://meet.google.com/
GoToMeeting Die Lösung ist für Online- und Videokonferenzen konzipiert. Die Nutzung kann über eine Desktop- oder Smartphone-App, über eine Weboberfläche, per Telefon oder ein Konferenzraum-System genutzt werden. Der Dienst wird von irischen Anbieter LogMeIn aus der Cloud angeboten.

Analyse laut Gartner:
Stärken: Produktstrategie, Skalieren, regulierte Märkte
Schwächen: Visuelle Zusammenarbeit, Meeting-Kontrollen, geografische Reichweite
Kosten:
Verschiede kostenpflichte Abos ab ca. 11 EUR/Monat, bei welchen auch eine telefonische Einwahl möglich ist
Produktwebseite:
goto.com/de/meeting
Microosft Teams In Microsoft 365 integriert stellt Teams Online- und Videokonferenzen bereit, über Erweiterungen auch eine Telefonlösung. Die Nutzung kann über eine Desktop- oder Smartphone-App, über eine Weboberfläche, per Telefon oder ein Konferenzraum-System genutzt werden. Alleinstellungsmerkmal ist, dass Teams in Microsoft Office integriert ist und so als zentraler Ausgangspunkt in die Office-Welt dienen kann. Der Dienst wird von Microsoft aus der Cloud angeboten.

Analyse laut Gartner:
Stärken: Ökosystem von Office 365, Innovationstempo, Einsatzflexibilität
Schwächen: Verwalten externer Teilnehmer, Meeting-Kontrollen, visuelle Zusammenarbeit
Kosten:
Kostenloser Version verfügbar
In Microsoft 365 integriert, ab ca. 5 EUR/Monat (ohne Office-Anwendungen) ober ca. 12 EUR/Monat (mit Office-Anwendungen) verfügbar
Produktwebseite:
microsoft.com/de-de/microsoft-teams
Zoom Meetings Die Lösung ist für Online- und Videokonferenzen konzipiert. Die Nutzung kann über eine Desktop- oder Smartphone-App, über eine Weboberfläche, per Telefon oder ein Konferenzraum-System genutzt werden. Der Dienst wird von Zoom aus der Cloud angeboten.

Analyse laut Gartner:
Stärken: Weitreichende Akzeptanz, Adressiert erweiterte Anwendungsfälle, Angebotsprozess
Schwächen: Sicherheitsbedenken bleiben bestehen, Bedarf an mehr indirekten Kanälen, Heute kostenlos – aber dauerhaft?
Kosten:
Kostenloser Version verfügbar (auf 40 Minuten pro Konferenz mit bis zu 100 Online-Teilnehmern begrenzt)
Verschiede kostenpflichte Abos ab ca. 14 EUR/Monat, bei welchen auch eine telefonische Einwahl möglich ist
Produktwebseite:
explore.zoom.us/de/products/meetings

Die gelisteten Online- und Videokonferenzen erfüllen die grundsätzlichen Anforderungen um Audio- und Videokonferenzen abzuhalten. Im Detail betrachtet stechen folgende Punkte hervor:

  • Google Meet kann durch die Integration in die Google-Welt vor allem Anwendern der Google-Suite empfohlen werden.
  • Microsoft Teams kann durch die Integration in die Microsoft-Welt vor allem Anwendern von Microsoft/Office 365 empfohlen werden.
  • Wer als Telefonanlage 3CX nutzt und ein Stück weit unabhängig von Cloud-Diensten sein möchte soll sich diese Lösung ansehen.
  • Aus unserer Sicht werden die Lösungen von Cisco, GoToMeeting und Zoom zunehmend weniger in Deutschland bzw. der DACH-Region genutzt.

Anforderungen an die Internetverbindung

Online- und Videokonferenzen wurde dafür entwickelt unter den gegeben Netzwerkbedingungen und -Bandbreiten eine optimale Qualität zu bieten. Um dies zu erreichen wird die Audioqualität gegenüber der Videoqualität priorisiert und die Sampling-Auflösung wird aktiv gesteuert um auf eine schwankende Bandbreite zu reagieren.

Wenn ausreichend Bandbreite zur Verfügung steht nutzen die meisten Online- und Videokonferenzen eine HD-ähnliche Auflösung (bspw. 1280×720 Pixel) bei 30 Bilder pro Sekunde für Video-Inhalte. Typsicherweise werden hierfür zwischen 1 und 4 Mbit der knappen Upload-Bandbreite benötigt. Im Gegensatz dazu ist die für Audio benötigte Bandbreite um ein Vielfaches geringer: Es werden nur um 0,1 Mbit beansprucht. Entscheidend für eine gute Qualität ist nicht nur die zur Verfügung stehende Bandbreite, sondern auch eine geringe Verzögerungszeit, ein geringer Jitter und ein geringer Paketverlust.

In der nachfolgenden Tabelle werden die benötigten Bandbreiten dargestellt, welche jeweils für den Upload und Download benötigt werden. Die tatsächliche benötigte Bandbreite variiert abhängig von verschiedenen Faktoren wie bspw. Kompression, Videolayout, Videoauflösung oder Videoframes pro Sekunde (Erklärung siehe unten bei Erläuterungen).

Minimal Typisch Maximal
Nur Audio 0,02 Mbit/s 0,06 Mbit/s 0,1 Mbit/s
Zusätzlich Video 0,2 Mbit/s (144p) 1 Mbit/s (360p) 1,5 (bspw. 480p) bis 4 Mbit/s (1080p)
Zusätzlich Bildschirmfreigabe 0,15 Mbit/s 0,5 Mbit/s 1 Mbit/s

Sämtliche Werte in der Tabelle, insbesondere die in Klammern angegeben Auflösungen, sind als Erfahrungswerte oder Beispiele zu verstehen. In Abhängigkeit von den individuellen Gegebenheiten können die Werte abweichen.

In Abhängigkeit von der Anzahl der Mitarbeiter und der Bedeutung von Videokonferenzen sollte folgende Bandbreite reserviert werden:

Anzahl Mitarbeiter
Gleichzeitige Videokonferenzen 5 Mitarbeitern 25 Mitarbeitern 100 Mitarbeitern
Niedrige Bedeutung von Videokonferenzen bis 1% 5 MBit/s 5 MBit/s 5 MBit/s
Mittlere Bedeutung von Videokonferenzen 1 bis 5% 5 MBit/s 10 MBit/s 25 MBit/s
Hohe Bedeutung von Videokonferenzen 5% bis 25% 10 MBit/s 25 MBit/s 100 MBit/s

Sämtliche Werte in der Tabelle sind als Erfahrungswerte oder Beispiele zu verstehen. In Abhängigkeit von den individuellen Gegebenheiten können die Werte abweichen.

Mehr Informationen zur Easy Inttel, Internet und Telefon sowie spezielle Angebote für Neu- und Bestandskunden von 3CX und easybell findest du auf der Homepage von easyinttel.de.

Erläuterungen:

  • Verzögerung: Verzögerung bei der Übertragung der Datenpakete, in Millisekunden gemessen. Die Verzögerung wird mit RTCP (Real Time Control Protocol) ermittelt. Wenn die Gegenstelle kein RTCP unterstützt, kann der Wert nicht ermittelt werden. Typisch: zwischen 5 und max. 50ms bei einer guten Verbindung. Werte darüber hinaus lassen auf einen Fehlzustand schließen, bspw. Fehlkonfiguration oder Überlastung.
  • Jitter: Im Idealfall werde IP-Pakete in einem festen Zeittakt gesendet und empfangen. Der Jitter gibt die mittlere Abweichung von diesem Takt an. Typisch: 5 bis max. 25ms. Werte darüber hinaus lassen auf einen Fehlzustand schließen, bspw. Fehlkonfiguration oder Überlastung.
  • Paketverlust: IP-Pakete, die bei der Übertragung verloren gegangen sind. Typisch unter 0,5%, oft auch 0 (stark abhängig ab wann zu späte Pakete als Verlust gewertet werden). Werte darüber hinaus lassen auf einen Fehlzustand schließen, bspw. bei drahtlosen Netzwerk schwache Feldstärke.